Dorferneuerung - OG Weibern

Weibern. Das Dorf zukunftsfest machen, den Dorfkern erhalten - das war das zentrale Thema, mit dem sich die Gemeinde Weibern am Dienstagabend beschäftigte, und zahlreiche Interessenten waren gekommen um zu hören, wie das möglich werden könnte.

Die Ortsgemeinde hatte eingeladen, um privaten Bauherren Möglichkeiten aufzuzeigen, wie alte Bausubstanz im Rahmen der Dorferneuerung optimal gefördert werden kann. Nachdem Ortsbürgermeister Karl Gundert die Gäste begrüßt hatte, startete Angelika Petrat, Dorferneuerungsbeauftragte im Kreis Ahrweiler, in einen informativen Abend. Als erste Referentin machte sie deutlich, dass das Land künftig nur noch dann Förderungen für die Kommunen bewilligen wird, wenn das Dorferneuerungskonzept nicht älter als 15 Jahre ist. Sie wies darauf hin, dass es beim Land auch Überlegungen gäbe, dies auf die private Dorferneuerung zu übertragen.

Somit hätte ein veraltetes Dorferneuerungskonzept einer Kommune auch weitreichende Folgen für private Förderungsmöglichkeiten von Bauherren, die im Rahmen der privaten Dorferneuerung tätig werden wollen. Das Ziel der privaten Dorferneuerung ist der Erhalt von ortsbildprägenden Gebäuden im Ortskern, die Förderung der regionalen Baukultur, des Tourismus und der regionalen Wirtschaft. Vorrausetzung hierfür sind ein aktuelles Dorferneuerungskonzept der Kommune und eine Investitionssumme (förderfähigen Kosten) von mindestens 7.7000 Euro. Die Förderhöhe beträgt 35% (max. 30.000 Euro) der förderfähigen Kosten. Das bedeutet, dass bei einer Investitionssumme von 85.715 Euro die maximale Fördersumme von 30.000 Euro erreicht wird. Der Landkreis Ahrweiler erhält jährlich vom Land ein entsprechendes Budget, das dann von den Mitarbeitern des Kreises bewilligt und zuteilt wird. Weder der Kreis noch die Verbandsgemeinde lassen mögliche Antragsteller dabei alleine im Bürokratiedschungel: Sowohl Frau Kardinal und Frau Durben von der Verbandsgemeinde Brohltal als auch Frau Petrat von der Kreisverwaltung beraten zukünftige Bauherren schon im Vorfeld der Antragstellung und geben hier gerne Tipps bei der Gestaltung und Umsetzung.

Dies alles erfuhren die Zuhörer in Weibern während des Vortrags von Frau Petrat. Doch die Referentin hatte auch praktische Beispiele parat, die sie den Anwesenden präsentierte. So zeigte sie anhand von Fotos, welchen Unterschied es in den Ortskernen macht, ob Häuser liebevoll entsprechend der regionalen Baukultur renoviert werden oder ob man sich eher an eine Baumarktkultur von der Stange hält. Auch ein Neubau in der Baukultur einer anderen Region mag als einzelnes Objekt und für sich alleine betrachtet gelungen sein, passt aber nicht in unsere Region bzw. nach Weibern mit den Tuffsteinhäusern. Frau Petrat betonte, dass es gerade in den Ortszentren wichtig ist, die regionale Baukultur einzuhalten. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass Neues nicht erlaubt wird, im Gegenteil, es sollte allerdings im Einklang mit dem Bestand stehen oder sich stilgerecht vom Bestand absetzen.

Ein bemerkenswertes Resümee zog Angelika Petrat zum Schluss ihres Vortrags. Ihr Fazit lautete:

  • Ein Dorf, das einen attraktiven Ortskern hat, zieht angenehme Menschen an - als Bürger und als Gäste.
  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Wenn der Ortskern verfällt, sinkt der Wert der Häuser – auch in den Neubaugebieten.
  • Die Innenentwicklung fördern bedeutet, das Image des Dorfes zu steigern.

Im Anschluss an Frau Petrat trat der Bonner Architekt Paul Martini als Referent vor die Zuhörerschaft. Er berichtete über sein Projekt im Ortskern von Weibern, an dem er momentan gemeinsam mit seiner Partnerin Antje Fuss arbeitet, und zwar überwiegend an den Wochenenden. Er zeigte, dass das Haus schon alleine durch die neuen Fenster im ortstypischen Stil wieder seinen ganz ursprünglichen Charakter zurückgewinnt. Anhand von Bildern machte er jedoch auch deutlich, dass sich manchmal während der Bauphase Überraschungen ergeben, die eine Planung mal eben hinfällig machen können. Ein schwieriger Punkt war bei ihm z.um Beispiel die Frage, wie man mit der angegliederten Scheune umgehen solle: Erhalt oder Abriss? Schließlich entscheidet er sich für den Abriss und zeigt den Zuhörern, wie man mit der frei geworden Fläche den Innenhofcharakter des Anwesens betonen kann. Bei alldem spürt man bei Paul Martini das Herzblut, dass er in seine neue alte Immobilie steckt. Die alten Tuffsteinquader der Scheune beispielsweise hat er fein säuberlich im alten Schweinestall gelagert, um damit später eine Betonstützwand zu verkleiden. Zum Schluss verdeutlichte der Architekt durch eine Fotoanimation, wie er und seine Partnerin sich das neue Eingangstor in der überbauten Hofeinfahrt vorstellen.

Den Abschlussvortrag des informativen Abends hielt der Erste Beigeordnete der Gemeinde Weibern, Helmut Reuter. Er stieg mit dem bereits vorhandenen Förderprogramm (Zuschussrichtlinien der Ortsgemeinde Weibern im Rahmen der Dorferneuerung) der Gemeinde ein, welches es seit dem Dorferneuerungsprogramm von 1995 gibt. Hiernach können Bauherren, die eine Tuffsteinfassade nach den Förderrichtlinien erstellen oder renovieren, eine maximale Förderung von 4.000 Euro bei einem 25prozentigen Anteil der förderfähigen Kosten erhalten. Bei einer Grünfläche im Ortskern gibt es maximal 2.500 Euro. Seitdem es diesen Fördertopf gibt, wurden in 25 Jahren bislang 20 Projekte mit einer Investitionssumme von rund 279.000 Euro und einer Fördersumme von ca. 44.000 Euro gefördert. Die Förderrichtlinien dieser Gemeindeförderung werden zurzeit in den Ausschüssen und im Gemeinderat überarbeitet und beraten.Anhand von Fotos von Markus Hilger und den jeweiligen Hauseigentümern konnte Helmut Reuter anschließend zehn gelungen Projekte in Weibern zeigen, die mit viel Liebe, Fleiß und Ausdauer von privaten Bauherren umgesetzt wurden. Die Bilddokumentation unterstrich sicher auch noch einmal eindringlich das Fazit von Frau Petrat, dass gelungene Renovierung das Gesamtimage des Dorfes deutlich verbessert. Nadja Durben von der Verabndsgemeinde Brohltal verwies noch mal auf das neue Förderproramm der Verbandsgemeinde Brohltal „Leben im Ortskern“. Die Verbandsgemeinde wirbt hier offensiv für das Bauen, Wohnen und Leben mitten im Dorf und gibt finanzielle Anreize für private und (klein)gewerblich genutzte Bauprojekte. Die Förderrichtlinie ist auf der Internetseite der VG ersichtlich. Ortsbürgermeister Gundert verwies abschließend noch auf das Grün im Ort und wünschte sich für den einen oder anderen Steingarten („Sagrotangarten“) eine Umwandlung in echtes Grün.

Zum Schluss des informativen Abends luden die Gemeindevertreter alle Bürger noch herzlich zur der geplanten Auftaktveranstaltung der Dorfmoderation ein. Diese findet statt am Donnerstag, 23.04.2020 um 19 Uhr in Mehrzwecktrakt der Robert Wolff Halle, soweit dies dann wieder möglich ist.  Die Gemeinde hofft hier auf eine rege Beteiligung und einen interessanten Ideenaustausch der Bürger. Um den Anwesenden die Bedeutung dieses Abends zu erläutern, stellte sich Dorfmoderatorin Christiane Hicking vor und erklärte, dass im Vorfeld des Dorferneuerungskonzepts Anregungen und Bedürfnisse der Bürger in verschiedenen Projektabenden  gesammelt und analysiert werden sollen, denn jede Kommune hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Bedürfnisse und muss daher ihren eigenen Weg zu einem liebens- und lebenswerten Ort mit Zukunft finden.

Veröffentlicht: Montag, 16. März 2020 11:06
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