Hubert Harzen & Johannes Bell

Niederzissen. hwk. Nach dem Totalausfall im Vorjahr gibt´s im Niederzissener Ratshauswingert diesmal wieder eine reiche Ernte, die zudem auch noch eine ausgezeichnete Qualität aufweist. Mehr als 80 Kilogramm Trauben las Hobbywinzer Hubert Harzen, der die Anlage pflegt, aus Oberzissen jetzt in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Johannes Bell.

Und der geschulte Blick durchs Refraktometer verriet einen erstaunlichen Wert: 95 Grad Öchsle. Beste Voraussetzungen also für einen Spitzenjahrgang des beliebten „Rathauströpfchens“. Im Jahr 1993, zu Zeiten von Bürgermeister Hermann Höfer, war der Weinberg mit knapp 100 Rebstöcken am Niederzissener Rathaus angelegt worden. Es wurden damals ausschließlich Rebsorten gewählt, die einst auch tatsächlich in den Weinbergen im Brohltal standen. In erster Linie also Regent- und Portugieser-Trauben. 2004 wurde die Anlage am Rathaus mit einem kleinen Weinlehrgarten ergänzt. Hinweistafeln informieren dort über den einstigen Weinanbau im Brohltal und beschreiben die einzelnen Rebsorten. 

Nicht die Ernte allein, sondern das Erinnern an die mehr als 1000-jährige Weinbautradition im Brohl- und Vinxtbachtal steht für die Verbandsgemeinde an erster Stelle. In nahezu allen Dörfern des Brohl- und Vinxtbachtales gab es nämlich einst Weinbau. Vielfach im Nebenerwerb, wie im Gebiet der alten Bürgermeisterei Königsfeld. Die älteste Urkunde aus dem Bereich der Verbandsgemeinde Brohltal betrifft die Propstei Buchholz als Tafelgut der Äbte von St. Vitus in Mönchengladbach. Sie stammt aus dem Jahr 1135. Der Buchholzer Weinbergsbesitz umfasste hervorragende Lagen im Gleesbachtal, wo im Barock ein kleiner „Weinbergstempel“ stand. Weiterhin wurde in Niederlützingen und unterhalb des Herchenberges in Burgbrohl Wein angebaut. Bis die Reblaus dem Weinbau schließlich im vergangenen Jahrhundert, nicht nur im Brohltal, allmählich ein Ende setzte.

Auch in den Ortsgemeinden sind wieder Weinberge zur Verschönerung des Ortsbildes angelegt worden, wie in Niederdürenbach-Hain, in Oberlützingen, in Oberzissen und in Wehr. In Niederzissen erinnert noch heute der Name der Gemeindestraße „Im Weinberg“ an eine frühere Anbaufläche. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren dort noch die verfallenden Weinbergsmauern zu erkennen. „Auch die Weinberge in den Ortsgemeinden vermitteln, wie der Rathausweinberg in Niederzissen, ein Stück Heimatgeschichte“, sagte Bürgermeister Bell.

Veröffentlicht: Dienstag, 06. Oktober 2020 12:32
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